Midlife Crisis oder was…

Der Wunsch, einen Jaguar zu fahren, ist erst allmählich in mir aufgekommen. Klar, war ich schon immer fasziniert von der Marke Jaguar. Der E-Type ist für mich persönlich das wunderschönste Auto, das jemals gebaut wurde, die Legende schlechthin. Auch die frühen XJ-Serien und der XJ-S sind in meinen Augen automobile Kunstwerke. Zumindest in ästhetischer Hinsicht gibt es da keinen Zweifel. Legendär sind diese Autos aber auch aufgrund ihrer Unzuverlässigkeit. Und das hatte sich bei mir festgesetzt –  wunderschöne Autos, aber Finger weg!

Als ich dann auf die Suche ging, einem nicht genauer zu bestimmenden Drang in mir folgend, war die Marke Jaguar zunächst außen vor. Ich bin mit dem Klassiker eingestiegen. Hey, wer wollte nicht schon immer mal einen 911er besitzen? Ich zumindest bekenne mich schuldig. Ansatzweise erschwinglich (zumindest was den Kaufpreis angeht) waren im Jahr 2015 einige Spiegelei-Gesichter der 996er Baureihe. Natürlich war das vordere Antlitz aller Baureihen davor (und auch danach) dem 996 überlegen, natürlich war der erste luftgekühlte 911er eigentlich fast schon Blasphemie, aber das war mir ehrlich gesagt schnuppe. Ich musste feststellen, dass der „niedrige“ Kaufpreis in den ein bis zwei Jahren zuvor wohl dazu geführt hat, dass der Markt in meiner Preisklasse hauptsächlich Autos bot, die günstig eingekauft wurden und dann wieder abgestoßen werden sollten,sobald die nächsten Instandhaltungen anstanden. Schon mal nicht gut. Letztendlich ausschlaggebend dafür, wieder vom 996 abzurücken, war aber ein anderer Grund. Eine ganze Zeit lang konnte ich mir selbst vormachen, dass das auch ein Auto für einen Vater von Zwillingen sei. Schließlich gibt es eine Rückbank und die Kerle sind ja auch noch nicht voll ausgewachsen, wird also schon gehen. Die Frage ist nur, wie lange? Meine Freundin hat sich mit ihren 162 cm mal spaßeshalber hinter mich gesetzt, wobei „gesetzt“ sehr schmeichelhaft ist für die Körperhaltung, in die sie dort gezwungen wurde. Um vor mir selbst als verantwortungsvoller Vater bestehen zu können, habe ich Abstand vom 911er genommen.

Als nächste fixe Idee hat sich in meinem Kopf festgesetzt: Es muss ein 8-Zylinder für mich sein. Vom 996er bin ich marken-übergreifend gedanklich direkt zum BMW 6 gesprungen, erhältlich mit V8-Maschine als 645 und 650. Mit dem Kofferraumdeckel konnte ich mich auf Dauer aber einfach nicht anfreunden, also weiter schauen. Mercedes CLS, ein Viertürer  – würde auch gleichzeitig mehr Komfort für die Zwillinge bedeuten, ein klarer Pluspunkt. Die Linie wirkt auch sehr dynamisch und sportlich, das gefällt mir. Das Interieur bei Mercedes war allerdings noch nie mein Favorit. Zusammen mit dem Eindruck, dass vor allem schlecht gepflegte Exemplare in meiner Preiskategorie zu finden waren, führte das zum nächsten dicken Haken. Danach war ich wohl am Höhepunkt meines persönlichen Größenwahn angekommen. Wir schreiben Sommer 2015 und die folgenden neun Monate war ich der Überzeugung, dass ein Maserati Quattroporte die einzige Erlösung meiner Qualen bedeuten wird. Eigentlich glaube ich noch heute, dass den Italienern mit diesem Fahrzeug ein großer Wurf gelungen ist. Die von Pininfarina gezeichnete Linie ist traumhaft, die Aussicht, mit einem echten Ferrari-Motor unter der Haube unterwegs zu sein, ist fast gleichzusetzen mit dem allen Männern innewohnenden Wunsch einen 911er zu fahren. Pininfarinas Design war wohl so überzeugend, dass ich mir heute einbilde Ansätze der Seitenlinie auch in weit profaneren Modellen wie dem Ford Mondeo oder einem Mazda 6 zu erkennen. Sogar die heutigen XJ-Modelle können meiner Meinung nach eine gewisse Ähnlichkeit nicht verhehlen. Letztendlich zur Vernunft gekommen (darf ich sowas schreiben, wo ich mir doch einen Jaguar XJ 8 gekauft habe?) bin ich aber, als ich in den Foren immer wieder davon gelesen habe, dass selbst bei einer unauffälligen Inspektion mehrere tausend Euro anfallen. Zudem konnte ich bei Check24 und vergleichbaren Portalen einfach kein Versicherungsangebot für einen Quattroporte bekommen. Ein befreundeter Versicherungsmakler hat auf Anfrage von der Ergo einen Versicherungssatz von etwa 5.000 € im Jahr genannt bekommen. Es hat zwar lange gedauert, aber dann war ich auch von diesem Wahn befreit.

Was jetzt? Es musste ein 8-Zylinder sein… ein Ami? Nein, entweder zu krawallbürstig oder mit zu viel Plastik im Innenraum, darauf konnte ich gut verzichten. Die deutschen Nobelmarken Audi, BMW oder Mercedes? So alt bin ich nun auch wieder nicht. Vielleicht dann doch das Undenkbare, einen unzuverlässigen Jaguar? Mal schauen, was die Foren sagen – hier stellte sich schnell heraus, dass die X300- und die X308-Modelle durchaus zuverlässig sind. Zumindest nicht viel schlimmer als andere Oberklasse-Limousinen ihrer Zeit. Optisch sind beide kaum voneinander zu unterscheiden, doch das X308-Modell hat zwei gewichtige Vorteile. Zum einen den seidenweich laufenden V8-Motor (ach ja genau, so einen wollte ich ja eh) und zum anderen die ZF 5-Gang-Automatik. Damit war die Entscheidung gefallen. Seit dem Frühjahr 2016 war ich auf der Suche nach einem X308, die im November schließlich in einen Kauf mündete. Noch habe ich es nicht bereut, aber hey, ich habe auch gerade erst angefangen…drückt mir die Daumen!

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